BRÄUERMÜLLER: WEINE -- Dieskaustraße 222 -- 04249 Leipzig -- Telefon: 0341 4150566 -- Telefax: 0341 4150599 -- E-Mail: wein@weinstubeambrunnen.de
ÖFFNUNGSZEITEN: Weinstube Dienstag - Samstag, 18.00 - ..... Uhr - Weingarten Mai - September
Weinladen Dienstag ab 17.00 Uhr, Mittwoch - Freitag 10.00 - 18.30 Uhr, Samstag 10.00 - 13.00 Uhr
GANYMED
FRÜHLING | SOMMER
AUSGABE 2017
WEINSTUBEN-GESPRÄCHE
ERIK SCHOBER ZU GAST IM 29. WEINSTUBEN-GESPRÄCH

Erik Schober (Jahrgang 1977), Chorleiter, Dirigent und Komponist, ist am 19. Oktober 2013 zu Gast bei Dr. Bernd Bräuer im 29. WEINSTUBEN-GESPRÄCH
Erik Schober wurde 1977 in Löbau geboren. Nach einem Mathematik- und Musikstudium in Leipzig entschied er sich für die Musik. Heute ist er Chorleiter, Dirigent des Johann-Strauss-Orchesters Leipzig, Komponist, Manager und Musik-Verleger.

Hoffentlich schafft er es, nach intensiver Chorprobe noch zu kommen! Ich bin mit Erik Schober erst für den späten Abend in der Weinstube verabredet. Und dann ist er bereits vor mir da. Hochgewachsen, im hellgrauen Anzug mit weißem Hemd, das volle, halblange schwarze Haar bis zur Schulter reichend, begrüßt er mich mit weit ausgebreiteten Armen lächelnd, völlig entspannt und überhaupt nicht müde wirkend. Die Chor-Arbeit muss ein Kraftspender sein, wenn man nach einem langen Arbeitstag noch so gut drauf ist, denke ich. Der erste Schluck vom dunkelroten, reifen Lagrein aus Südtirol hat mir schon gut getan, tönt es aus seinem Mund, so als ob er meine Gedanken lesen könnte. Nun ja, die belebenden Kräfte des Weines! Der Wein-Wirt reicht mir auch ein gefülltes Rotweinglas. Wir stoßen an, trinken beherzt und schon sitzen wir plaudernd am Tisch. Ja, ich bin ein Wein-Liebhaber, trinke aber (fast) immer erst nach getaner Arbeit. In den Operettenliedern, die wir beispielsweise im Johann-Strauss-Chor singen, geht es ja oft auch um den Wein und da kann es dann schon einmal eine Chor-Probe mit Wein-Probe geben, sagt augenzwinkernd und aufgeräumt der 36-jährige Chorleiter.
Erik Schober ist Mitte der 1990er Jahre aus Neugersdorf, in der Oberlausitz gelegen, nach Leipzig zum Studium der Mathematik und Musik gekommen. Ein guter Lehrer will er werden. Dass er ein fleißiger Student gewesen sei, betont er im Gespräch. Doch die Musik, das Musizieren wird mehr und mehr zu seinem Lebensinhalt. Wohl nur kurz hat es einen Moment des Zögerns, der Unentschlossenheit gegeben bevor er sich für ein Leben als freischaffender Musiker entscheidet. Denn, so sagt Schober, es sei ja ganz und gar ungewiss gewesen, ob er damit auch seinen notwendigen Lebensunterhalt verdienen könne. Aber das Gefühl, das wird schon werden, hat ihn dabei nie verlassen und ihn auch durch schwierige Zeiten bereits getragen.
Der Wein-Wirt kommt und füllt erneut unsere Weingläser. Er legt die Speisekarte auf den Tisch und empfiehlt uns im gleichen Augenblick zum Lagrein unbedingt zart gebratene Kaninchenleber in Portweinsoße und auf karamellisierter Apfelscheibe, dazu Feldsalat und viel Brot zu speisen. Der Musiker und sein Gegenüber stimmen sofort zu. Für Erik Schober, den Musiker und Komponisten, war es ein gutes Jahr. Sein Johann Strauss Wunschkonzert mit dem Johann Strauss Chor und Orchester im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses zu Leipzig ist ein großer Erfolg gewesen. Auch die Konzert-Tournee durch Mitteldeutschland mit einem breit gefächerten Repertoire aus Operette, Musical und Evergreens. Dazu zählen auch die Uraufführung seiner Komposition Irische Szenen aus dem Zyklus Irdische Szenen mit dem Robert Schumann Orchester und die sich anschließende Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana – unter seiner Leitung mit über 550 Chorsängerinnen und Chorsängern im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses. Ja, am 29. September, genau am Tag meines 36. Geburtstages.
Wir kommen auf die alle Kräfte fordernden Tournee-Reisen durch Mitteldeutschland zu sprechen, die nicht nur gründliche Probenarbeit verlangen, sondern auch effizient geplant und gestaltet sein wollen. Das alles liegt auch in meiner Verantwortung, sagt Erik Schober. Dass dadurch oft wenig Zeit für seine Familie bleibt, sieht er natürlich. Aber er ist eben nicht nur künstlerischer Leiter, sondern auch Manager von Chor und Orchester. Und das (meistens) mit Freude. Übrigens hat meine Frau dafür nicht nur Verständnis, sondern steht mir dabei hilfreich zur Seite, setzt er überzeugend hinzu. Sowohl das Neujahrskonzert 2014 im Gewandhaus als auch die Konzerttournee durch Mitteldeutschland 2014 hat Erik Schober bereits organisatorisch bestens im Griff. Die Orte stehen fest. Die Säle sind gebucht. Der Kartenvorverkauf läuft schon längst und gut. Ja, auch das Programm steht. Mit dem Johann Strauss Chor hat er es heute nicht zum ersten Mal geprobt – heiter, ausgelassen, stimmungsvoll. Kein Wunder, kommen zur Aufführung doch Lieder aus dem Vogelhändler von Carl Zeller und natürlich Melodien aus dem reichen Schaffen von Johann Strauss. Lange haben wir geplaudert, dabei ein zweites Glas Lagrein gebechert. Jetzt wird endlich die gebratene Kaninchenleber gegessen – eine Köstlichkeit für die Zunge und vollendet passend zum Wein. Darin sind wir uns sofort einig. Ein drittes Glas vom Lagrein wir uns stilvoll gereicht. Wir schweigen eine kurze Zeit, da man ja auf keinem Fall mit vollem Mund sprechen kann und soll. In Gedanken sind wir längst beim bevorstehenden 29. Weinstuben-Gespräch, in dem Erik Schober der Gesprächsgast sein wird. Eine gute Stunde wird er plaudernd vorgestellt, danach wird gebechert und getafelt. Den Komponisten Schober will ich präsentieren. Vor allem eine musikalische Sequenz aus seinem 2009 erfolgreich uraufgeführten Requiem in c-Moll für Chor, Solisten und Orchester soll erklingen. Ja, daran hat er lange gesessen, immer wieder verworfen, neu komponiert und doch ist das Werk fertig geworden. Musikalisch orientiert hat er sich dabei am Requiem von Mozart, dessen Musik er liebt. (Auch deshalb haben Johann Strauss Chor und Orchester wohl auch Mozart-Arien in ihrem Kern-Repertoire.) Wir unterhalten uns noch lange über seine Projekte, seine Lebensmaximen. Dass man nur an den Herausforderungen wachsen kann, dass man sich etwas zutrauen muss, das hat Erik Schober in den letzten Jahren nicht nur verstanden, sondern auch erfolgreich gelebt. Nicht zuletzt deshalb ist noch viel von ihm zu erwarten… Wir verabschieden uns weinheiter vor Mitternacht. Ich summe dabei die Melodie aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss mit einer kleinen textlichen Änderung: Ja, das alles auf Ehr, das kann er und viel mehr. Wir müssen beide herzlich lachen und freuen uns schon jetzt auf das bevorstehende Weinstuben-Gespräch.

PDF anschauen